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Ausstellung zur
Waldorfpädagogik
Das Kita-Museum vermittelt in einem kleinen Ausstellungsraum einen
atmosphärischen Eindruck von der möglichst weitgehend
naturbelassenen Lebenswelt der Kinder in einem Waldorfkindergarten.
Materialien wie Holz, Puppen und Figuren aus Schafswolle, leichte
Stoffe und Früchte der Natur wie Zapfen, Ähren,
Blätter regen die Kinder zum Spiel im Haus und im Freien an.
Der Museumsraum wurde ausgestattet und wird gepflegt von Mitgliedern
der Internationalen Vereinigung der Waldorfkindergärten aus Berlin.
Konzept der Waldorfpädagogik
„Das Kind in Ehrfurcht empfangen, in Liebe erziehen und in Freiheit entlassen.“ (Rudolf Steiner)
Die Waldorfpädagogik wurde von dem österreichischen
Philosophen, Pädagogen und Naturwissenschaftler Rudolf Steiner
(1861-1925) begründet. In Wien studierte Steiner Mathematik und
Naturwissenschaften, aber auch Philosophie, Literatur und Geschichte.
1891 promovierte er zum Doktor der Philosophie an der Universität
Rostock mit einer Arbeit über "Die Grundfrage der
Erkenntnistheorie". Er übernahm 1919 die Leitung der ersten
Waldorfschule: der Betriebschule der Waldorf-Astoria-Zigarettenfabrik
in Stuttgart. Heute gibt es weltweit ungefähr 892 Waldorfschulen,
davon 191 in Deutschland.
Daneben findet die Waldorfpädagogik ihre praktische Umsetzung in
den heute weltweit mehr als 1500 Waldorfkindergärten - ein Drittel
davon in Deutschland. Die meisten Waldorfeinrichtungen befinden sich in
freier Trägerschaft. Sie finanzieren sich über staatliche
Zuschüsse und Elternbeiträge, die dem Einkommen entsprechend
variieren.
Das Menschenbild in der Waldorfpädagogik: Anthroposophie
Das Menschenbild, welches der Waldorfpädagogik zugrunde liegt, ist
die spirituelle Weltanschauung der „Menschenkunde“ Rudolf
Steiners, die Anthroposophie. Dieses Menschenbild fasst den Menschen
als eine Dreiheit bestehend aus Leib, Seele und Geist auf. Hinzu kommt
der Glaube an Reinkarnation und Karma. An diesem ganzheitlichen
Ansatz orientiert sich auch die pädagogische Praxis der
Waldorfpädagogik. Die Impulse, die von der Anthroposophie
ausgehen, umfassen aber nicht nur die Pädagogik, sondern so
unterschiedliche Lebensbereiche wie Medizin, Landwirtschaft,
Gesellschaft, Bewegungskunst (Eurythmie) und Religion.
Das freie Spiel
Dem freien Spiel kommt ähnlich wie in der
Montessori-Pädagogik eine große Rolle zu. Das freie Spiel
wird als Grundäußerungsform des Kindes verstanden, indem es
sich mit der Welt auseinandersetzt und sich mitteilt. Dabei kommt es
darauf an, dass die Spielmaterialien möglichst einfach gehalten
sind und das Kind darin vielfältige Verwendungsmöglichkeiten
entdecken kann. Denn nur so kann das Spiel schöpferisch und frei
sein und dem Kind die Gelegenheit geben, seine Gefühle und
Wahrnehmungen zu vermitteln.
Den Erzieher/innen kommt dann die Aufgabe zu, den nötigen (Frei-)Raum für das Spiel zu schaffen und zu gestalten.
An der zentralen Rolle des freien Spiels orientiert sich auch die
Gestaltung des Raumes. Er muss dem Kind Anregungen bieten und Freiraum
und gleichzeitig aber auch die Geborgenheit geben, damit es sich, aus
sich selbst heraus dem freien Spiel hingeben kann.
- Die Individualität und Persönlichkeit des Kindes offenbart sich am deutlichsten im freien Spiel.
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Dass das Kind sich frei und absichtslos spielend mit der Welt verbinden
kann, verlangt erzieherische Gestaltung der Umgebung des Kindes.
- Das Kind benötigt eine räumlich-materielle Umgebung, die "in Ordnung" ist und dadurch Sicherheit verleiht.
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Das Kind benötigt eine materielle Umgebung, die nicht in
funktionale Abhängigkeit drängt. Besonders anregend ist
deswegen die natürliche Umgebung, da Natur frei von Funktionen
ist.
- Das Kind benötigt einen
verlässlichen Rhythmus in seinem Leben, da dieser Sicherheit
verleiht und das Kind spontan handeln lässt.
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Das Kind steht in intimer Beziehung zu den ihm verbundenen Erwachsenen
und ist angewiesen auf die Gestaltung eines Freiraums, den diese
schaffen und vorbilden. Vorbild und Nachahmung sind die "Zauberworte",
die dieses Verhältnis charakterisieren.
Die Gestaltung der Zeit und der Rhythmus der Jahreszeiten
Die Einteilung des Tages-, Wochen- und auch Jahresablaufs folgt in der
Waldorfpädagogik einer gewissen Grundordnung. So sollen diese
bewusst gestalteten Zeitspannen dem Kind Sicherheit und Geborgenheit
vermitteln. Der wiederkehrende Rhythmus bildet einen tragenden Rahmen
als Grundvorrausetzung für das unbeschwerte freie Spiel der
Kinder. Der Ablauf der Woche ist zum Beispiel so gegliedert, dass
bestimmten Wochentagen besondere Aktivitäten vorbehalten sind z.B.
das Aquarellieren oder das Festlegen des
Frühstückspeiseplanes. Das Jahr wiederum findet seinen
zeitlichen Rhythmus durch mehrere freudig erwartete Jahresfeste. In den
Jahresfesten werden die Jahreszeiten und der Rhythmus der Natur direkt
erlebbar. Sie sind in das Leben der Kinder integriert. Begangen werden
sie mit bestimmten Märchen, Liedern und Ritualen.
Der Lernbegriff im Waldorfkindergarten: Vorbild und Nachahmung
Die
Waldorfpädagogik geht davon aus, dass Kinder in ihren ersten
sieben Lebensjahren vor allem durch Nachahmung lernen und begreifen.
Nachahmung ist nicht stupides Imitieren, vielmehr geben die mit Sinn
erfüllten Tätigkeiten der Erwachsenen den Kindern Anregung
für ihr freies Spiel. Kinder nehmen nicht nur die sichtbaren
Handlungen der Erwachsenen auf, sondern verinnerlichen auch vorgelebte
zwischenmenschliche Umgangsformen und praktizierte Mitmenschlichkeit.
Über diese Erfahrungen prägt sich das spätere moralische
und soziale Handeln der Kinder aus.
Der Lernbegriff in der Waldorfpädagogik wird also nicht als
zielgerichtetes bewusstes Lernen definiert, sondern als ein
ganzheitlicher täglicher, mehr oder weniger unbewusst ablaufender
Prozess. Das gesamte Umfeld des Kindes bildet dabei seine Lernumgebung.
Das Kind lernt dann am besten, wenn es an sinnvollen Handlungen,
Begebenheiten und Erscheinungen des täglichen Lebens teilhaben
kann. Auch die normalen und selbstverständlichen Verrichtungen des
Tages, wie das Decken des Tisches oder das Aufräumen der Wohnung
werden sinnvoll und transparent begangen.
Pädagogische Grundüberzeugungen für das Lernen im Waldorfkindergarten:
- Der Waldorfkindergarten versteht sich als "unmittelbarer Lernort".
-
Das Kind lernt altersentsprechend, wenn das Leben um es herum Ausdruck
von sinnvoller Gestaltung ist, in der Erscheinung und innewohnendes
Wesen (z.B. Handlung und Intention des Menschen) identisch sind.
- Das Kind ist „ganz Sinnesorgan".
- Heiterkeit und Freude am Leben sind die entscheidenden Motivations- und Lernförderungen.
Die Rolle der Erzieher/innen
„Die Erziehung der Kinder bedingt die Selbsterziehung des Erziehers.“
Dieser Grundsatz der Waldorfpädagogik verlangt von den
Erziehenden, ihr eigenes Handeln zu reflektieren und gegebenenfalls zu
korrigieren. Gelegenheiten dazu stellen im Kindergarten einerseits die
selbstbestimmte Analyse eigener Fehler und darüber hinaus die
wöchentliche Konferenz aller Erzieher/innen dar. Der
Erziehungsprozess umfasst nach der anthroposophischen Lehre zwei
gleichberechtigte Partner: das Kind und die erziehenden Erwachsenen.
Den Erziehenden kommt dabei die Aufgabe zu, den Kindern als Vorbild,
Gegenüber oder als Autorität zu dienen. Sie sollen dem Kind
helfen, seine Individualität zu entdecken, seine
Persönlichkeit zu entwickeln und zu entfalten.
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